Sorgenkind Pfeifturm - Renovierung ist nötig
August 2005

Patient Pfeifturm bereitet Sorgen
Sanierung der Balustrade möglicherweise umfangreicher als zunächst angenommen.
nach: DONAUKURIER Nr. 183, 10. August 2005
In kräftigem Orange präsentiert sich der Pfeifturm weithin sichtbar (links die Moritzkirche). Die Hüllen werden wohl noch einige Zeit bleiben, bis die Sanierung der Balustrade abgeschlossen ist. Das Bauwerk soll außerdem einen neuen Anstrich erhalten.
Foto: Schalles  (DONAUKURIER, 10. August 2005)

Seit einigen Wochen schon sind Fachleute in 50 Metern Höhe damit beschäftigt, Bestandsaufnahme zu machen. Die Balustrade des 1497 erstmals erwähnten Bauwerks weist seit einigen Jahren Schäden auf und soll nun saniert werden. Die Instandsetzung könnte allerdings weitaus komplizierter werden, als zunächst angenommen. Ein Natursteinexperte aus Nördlingen prüft derzeit, wie die Reparatur am besten auszuführen ist, um sie fachgerecht, aber auch ohne große Kostensteigerungen durchzuführen. Der Stadtrat hat 150 000 Euro genehmigt, einen neuen Farbanstrich inklusive.
 
Korrosion setzt Stein zu

Der Rost und seine Folgen: Eine unsachgemäße Sanierung, die gut 70 Jahre zurückliegt, hat zu den Schäden an der Pfeifturmbrüstung geführt. Die fortschreitende Korrosion an den damals eingebauten Eisenstäben - die dunklen Stellen sind deutlich zu sehen - ließ den Jurakalkstein mit der Zeit aufplatzen

Abplatzendes Material an der Kalksandsteinbrüstung hatte die Behörden schon vor zwei Jahren dazu veranlasst, den Pfeifturm aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit zu schließen. Die bis dahin angebotenen samstäglichen Begehungen sind seither nicht mehr möglich. Als die Sanierung vor drei Wochen begann, war die Ursache für die Schäden schnell gefunden. „Schuld sind Eisenteile, die um 1930 nachträglich eingesetzt worden waren", sagt Robert Pflüger vom Bauunterhalt des städtischen Hochbauamtes.

Damals sei die Balustrade schon einmal gerichtet worden. Was gut gemeint war, rächte sich: „Das Eisen hat mit der Zeit zu rosten begonnen, und durch den Korrosionsdruck platzt jetzt der Stein ab." Noch stehe nicht fest, wie viele Stellen betroffen sind. Sobald das klar sei, müssten sie heraus gelöst, das rostige Metall entfernt und der Stein wieder eingesetzt oder - falls er zu sehr korrodiert ist - durch neues Material ersetzt werden.

Die erste Inspektion hatte ein weiteres Problem offenkundig gemacht. Die Brüstung sitzt nicht auf der relativ dicken Mauer des Pfeifturms, sondern außerhalb davon auf überstehenden Platten, die in zwei Schichten gestapelt auf dem Mauerwerk liegen und mit Eisenklammern verankert sind. Hier und dort sind Stücke des Bodenbelags heraus gebrochen, und auch die Metallhalterungen zeigen Verschleißerscheinungen. „Wenn da eine bricht, fällt ein Stück der Brüstung herunter", sagt Robert Pflügler. Ein Statikgutachten werde gerade erstellt. „Wie wir das technisch lösen, müssen wir erst noch entscheiden." Infrage käme zum Beispiel die Anbringung eines Ringankers zur Stabilisierung der Balustrade. „Wir haben Bewerbe einen Maßnahmenkatalog erstellt, den ich an das Landesamt für Denkmalpflege gemailt habe. Wenn von dort grünes Licht kommt, können wir mit der Ausschreibung beginnen."

Blechdach wird abgedichtet

Dass nun, wo das aufwändig aufgebrachte Baugerüst steht, gleich alle notwendigen Reparaturen erledigt werden, ist selbstverständlich. Dazu gehört die Abdichtung des stellenweise leckenden Kupferblechdaches - "und natürlich schauen wir uns auch gleich die Wetterfahne an", schmunzelt Pflüger. Bei alledem hat er aber stets den Zeitplan im Blick. Ende November, so die Vorgabe, sollte alles abgeschlossen sein, einschließlich der Malerarbeiten. "Sonst macht uns noch der Winter einen Strich durch die Rechnung."

Robert Pflüger vom Bauunterhalt des städtischen Hochbauamtes zeigt die schadhaften Stellen an der Balustrade des Pfeifturms. Nachträglich eingebaute Eisenstäbe haben zu den Abplatzungen geführt. Ein Gutachter prüft derzeit den Umfang für die notwendigen Reparaturen.

   
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