DIE STADTPFEIFER

Blättert man in den Ratsprotokollen der Stadt des 16. und 17. Jahrhunderts, so gewinnt man ein buntes Bild vom Leben und Treiben der Stadtpfeifer. Diese spielten auf Hochzeiten und bei Festlichkeiten auf und bliesen an Sonn- und Feiertagen auf dem Pfeifturm. Was die Stadtpfeifer von freiberuflichen Musikanten unterschied, war ihr Status im Rahmen der städtischen Dienste.
Jeder Stadtpfeifer wurde vom Rat der Stadt in sein Amt berufen und in seiner Amtsausübung kontrolliert. Er wurde, als die Stadtpfeiferordnung kodifiziert vorlag, auf diese vereidigt und musste jedes Jahr wie andere Amtsträger auch in seinem Amte bestätigt werden.
Aufgabe der Stadtpfeifer war es, den Beitrag der Musik für Festlichkeiten aller Art wahrzunehmen: für die Allgemeinheit im Jahresablauf, für die Gottesdienste im Rahmen der festtäglichen Liturgie und für die privaten Bedürfnisse bei Hochzeiten, Promotionen an der Universität und anderen Anlässen.
Dem Rat der Stadt oblag es, für die Sicherstellung des musikalischen Angebots und dessen Niveau Sorge zu tragen, bei mangelnder Leistung konnte der Pfeifer entlassen werden . Der Rat hatte sich aber auch um den Unterhalt der Pfeifer zu kümmern, sei es durch Entlohnung von Leistungen für die Stadt, sei es durch Ausschalten schädigender Konkurrenz.

Es ist bis heute noch keine Aussage möglich, wann die Institution der Stadtpfeifer ihren Anfang genommen hat. Zu vermuten ist dies für das 15. Jahrhundert, da in den Nürnberger Ratsprotokollen des späten 15. Jahrhunderts verschiedentlich IngoIstädter Stadtpfeifer genannt sind, die für ihre Dienste belohnt werden - erstmalig am 14. Mai 1475 zwei Pfeifer. Im Kammerbuch der Stadt IngoIstadt sind 1497 die beiden Stewdel, sichtlich Vater und Sohn, und ihr Geselle erwähnt.
Eine Art Stadtpfeiferordnung wurde erstmalig am 25.08.1559 festgehalten. Sie regelte die Vergütung, Steuerfreiheit und die eigene Anschaffung der Musikinstrumente.
Viele kleine Anekdoten und Hinweise auf die einzelnen Stadtpfeifer, deren Gehalt, etc. kann man den alten Büchern entnehmen. Mit der Stadtpfeiferordnung von 1576 bzw. 1584 hat die Entwicklung des Stadtpfeiferamts in Ingolstadt seinen Höhepunkt erreicht.

   
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